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>> Umweltaktion der Jugendfeuerwehr

Ein ruhiger Platz, um kurz zu verweilen, den Blick zu genießen und den Tag etwas zu entschleunigen. Doch, steht man von der Bank auf und schaut über die Brüstung den Hang hinunter, wandelt sich das Wohlbefinden schnell in Ärger und Wut.

Will man von Geroldsgrün aus in die Langenau fahren, kommt man daran vorbei. Das Ruhebänkchen direkt an der Langenaustraße. Der kleine Platz bietet einen wildromantischen Blick in das Tal. Ohne weite Wege laufen zu müssen, kann man sein Auto oberhalb parken und die 100 Meter bis dahin zu Fuß zurücklegen.

Der Blick von dort, ist nicht so weitreichend wie vom ca. 50 Höhenmeter darüber liegenden Kämmleinsfelsen. Dennoch lädt die Bank zum Verweilen ein, eine Pause zu machen, die Schönheit des Frankenwaldes zu genießen. Der Langenaubach ist leise zu hören. Um den Verlauf einzusehen muss man aufstehen und über das Geländer wiederum 100 m in das Tal blicken. Und plötzlich traut man seinen Augen nicht. Altreifen, Fußmatten, Federballschläger und sogar prall gefüllte Müllbeutel lenken den Blick weg von der Schönheit des Waldes, auf sich. Scheinbar wurde hier bereits seit geraumer Zeit, Haushaltsmüll einfach über die Leitplanke entsorgt. Und statt sich jetzt dem Bachverlauf zu widmen, reißen einen die Gedanken hin zu Wut. Wut über die Verursacher.

Eigentlich liegt es am Staatsforst, der hier zuständig ist, Meldung an das Landratsamt zu machen. Dieses leitet ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein und versucht den oder die Verursacher zu ermitteln. Denn die Entsorgung von Müll, jeglicher Art, außerhalb der dafür vorgesehen Möglichkeiten, also Restmüll- oder Papiertonne, Leichtstoffcontainer oder auf den Wertstoffhöfen, ist strafbar. Der Kreisbauhof würde dann mit der Beseitigung und Entsorgung beauftragt.

Es waren mehrere Faktoren die den stellvertretenden Kommandanten und Jugendwart der Geroldsgrüner Feuerwehr, Andre Köstner, dazu bewegten, eine Waldsäuberung zu organisieren: „Mich erreichten Fotos via Facebook auf denen der Müll zu sehen war. Und da ich als Kind, mit meinen Freunden viel am Burgstein und in der Langenau war, berührte mich das schon sehr. Zudem hatte ich mit meiner Jugendgruppe dieses Jahr eine ähnliche Aktion im Dienstplan vorgesehen.“ Auch Kommandant Helmut Wirth war davon überzeugt, dass hier Handlungsbedarf besteht. So informierte man die Gemeinde, dass sich die Jugendfeuerwehr samt einigen erwachsenen Wehrmännern für eine Müllsammlung bereit erklärt. Bürgermeister Helmut Oelschlegel gab nach kurzer Abklärung mit dem Forstamt Nordhalben und der Zuständigkeit im Landratsamt grünes Licht an die Kommandanten weiter.

Die Aufgabe war aber bei weitem nicht so einfach. Wegen des starken Gefälles war es sehr mühsam den Müll einzusammeln. Der relativ lose und auch nasse Waldboden erschwerte jeden Schritt. Um den Unrat nach oben zu bekommen, kam eine selbst gebaute Seilbahn zum Einsatz. Autoreifen, Röhrenfernsehgeräte, Radios, Schuhe und sogar eine große LKW-Batterie fand man. So kamen über 500 kg Abfälle zusammen, gesammelt von 13 Feuerwehrkameraden über 4 Stunden, auf einer Fläche von etwa 60 x 50 m erstreckt auf 40 Höhenmeter. Ehrenamtlich und vollkommen Unentgeltlich. Wertvolle Unterstützung bekam man von der Feuerwehr Dürrenwaid, mit Jugendwart Daniel Wich und einer Anwärterin. Auch der gemeindliche Bauhof griff mit der Bereitstellung des Radladers unter die Arme. Ein vorbeikommender Gemeinderat würdigte die Arbeit der Jugendgruppe mit einer Geldspende und auch für die Verpflegung der Helfer fanden sich Sponsoren. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir so viel Müll zusammen bekommen. Der Autoanhänger ist prall voll. Aber wir haben es geschafft, den Hang wieder in einen ordentlichen Zustand zu bekommen, “ freut sich Kommandant Wirth. Doch, wer übernimmt nun die Entsorgungskosten? „Da es sich bei diesem Waldgebiet um Staatsforst handelt, ist das Landratsamt dafür zuständig. Den Unrat nach Wertstoffen zu sortieren war uns nicht möglich. Das Verletzungsrisiko und auch die Hygiene schlossen dies aus. Daher muss leider alles als Rest- und teilweise auch als Sondermüll beseitigt werden“, erklärt Köstner. Verursacher konnten keine ermittelt werden. Kommandant Wirth hierzu: „Wir sind nicht für die Ermittlung der Verursacher zuständig. Bei dieser Aktion kamen wir einer Freiwilligen Tätigkeit nach dem Bayerischen Feuerwehrgesetz nach und diese war lediglich die Beseitigung des Unrats. Dennoch, auch wenn wir das diesmal gemacht haben, soll das keinen Freibrief für Verursacher oder eine dauerhafte Tätigkeit der örtlichen Feuerwehr darstellen!“

Nun, da der Wald wieder so gut wie möglich sauber ist, hofft man natürlich, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholt. Und wenn man auf dem Waldweg unterhalb der Langenauer Straße wandert, oder sich die Pause beim Aufstieg aus dem Tal gönnt, kann man sich wieder an der Natur erfreuen und muss sich nicht mehr über solche Umweltfrevel ärgern.

Text und Bilder: FF Geroldsgrün 2016